Wie viel Eigenkapital braucht man für eine Anlagewohnung in Österreich?
Eigenkapital ist der Schlüssel zur Anlagewohnung – aber wie viel braucht man wirklich? Obwohl die KIM-Verordnung am 30. Juni 2025 ausgelaufen ist, wenden Banken freiwillig weiterhin strenge Kriterien an. Wir zeigen Ihnen, was Sie tatsächlich mitbringen müssen, welche Nebenkosten anfallen und wie der Hebel-Effekt Ihre Rendite beeinflusst.
Veröffentlicht am 9. April 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Die genannten Zahlen und Prozentsätze können sich je nach Bundesland, Bank und persönlicher Bonität unterscheiden. Stand: April 2026.
Bild: Eigenkapital und Immobilienfinanzierung in Österreich
20 % Eigenkapital: Von der KIM-Verordnung zum Marktstandard
Von August 2022 bis 30. Juni 2025 galt in Österreich die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) der Finanzmarktaufsicht (FMA). Diese Verordnung hat den österreichischen Immobilienmarkt grundlegend verändert. Seit 1. Juli 2025 ist die KIM-VO ausgelaufen und somit keine verbindliche Rechtsgrundlage mehr. Die meisten Banken wenden die bisherigen Kriterien jedoch freiwillig weiterhin als internen Standard an.
Die drei zentralen Kriterien, die während der KIM-VO galten und von Banken weiterhin als Marktstandard angewendet werden:
- Mindestens 20 % Eigenkapitalquote: Bezogen auf den Kaufpreis inklusive Nebenkosten sollten mindestens 20 % aus Eigenmitteln stammen.
- Maximale Schuldendienstquote von 40 %: Die monatliche Kreditrate sollte höchstens 40 % des Nettohaushaltseinkommens betragen.
- Maximale Laufzeit von 35 Jahren: Immobilienkredite sollten eine Laufzeit von 35 Jahren nicht überschreiten.
Für Anleger bedeutet das: Auch ohne gesetzliche Verpflichtung gibt es ohne ausreichendes Eigenkapital in der Praxis kaum einen Kredit. Die Zeiten der Vollfinanzierung bleiben in Österreich vorbei – zumindest für den Großteil der Käufer. Banken vergeben Ausnahmefinanzierungen weiterhin nur sehr selektiv.
Eigenkapitalbedarf nach Kaufpreis – Die Übersicht
Die folgende Tabelle zeigt Ihnen auf einen Blick, wie viel Eigenkapital Sie für verschiedene Kaufpreise einer Anlagewohnung einplanen müssen. Berücksichtigt sind sowohl die 20 % Eigenkapitalquote als auch die Kaufnebenkosten von ca. 10 %.
| Kaufpreis | 20 % EK | Nebenkosten ~10 % | Gesamt-EK nötig | Monatl. Rate (3,5 %)* |
|---|---|---|---|---|
| EUR 150.000 | EUR 30.000 | EUR 15.000 | EUR 45.000 | ca. EUR 539 |
| EUR 200.000 | EUR 40.000 | EUR 20.000 | EUR 60.000 | ca. EUR 718 |
| EUR 300.000 | EUR 60.000 | EUR 30.000 | EUR 90.000 | ca. EUR 1.078 |
| EUR 400.000 | EUR 80.000 | EUR 40.000 | EUR 120.000 | ca. EUR 1.437 |
| EUR 500.000 | EUR 100.000 | EUR 50.000 | EUR 150.000 | ca. EUR 1.796 |
* Monatliche Rate bei 80 % Finanzierung, 3,5 % Fixzins, 30 Jahre Laufzeit, annuitätisch. Unverbindliche Richtwerte.
Die Kaufnebenkosten im Detail
Viele Käufer unterschätzen die Kaufnebenkosten, die zusätzlich zum Kaufpreis anfallen. In Österreich müssen Sie mit folgenden Posten rechnen:
3,5 % Grunderwerbsteuer (GrESt)
Die Grunderwerbsteuer beträgt in Österreich 3,5 % des Kaufpreises. Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro sind das 14.000 Euro. Diese Steuer ist gesetzlich vorgeschrieben und nicht verhandelbar. Bei Schenkungen oder Erbschaften innerhalb der Familie gelten abweichende Stufentarife.
1,1 % Grundbucheintragungsgebühr
Für die Eintragung des Eigentumsrechts im Grundbuch fallen 1,1 % des Kaufpreises an. Bei 400.000 Euro sind das 4.400 Euro. Zusätzlich kommt die Eintragungsgebühr für das Pfandrecht der Bank hinzu: 1,2 % des Hypothekarwerts – bei einer Kreditsumme von 320.000 Euro also weitere 3.840 Euro.
1–3 % Notar- und Vertragserrichtungskosten
Der Kaufvertrag muss in Österreich von einem Notar oder Rechtsanwalt errichtet und beglaubigt werden. Die Kosten liegen je nach Komplexität zwischen 1 und 3 % des Kaufpreises. Bei 400.000 Euro rechnen Sie mit 4.000 bis 12.000 Euro. Verhandeln Sie die Honorare – hier gibt es durchaus Spielraum.
3 % Maklerprovision zzgl. 20 % USt
Für Anleger, die über einen Makler kaufen, fällt in der Regel eine Provision von 3 % des Kaufpreises zzgl. 20 % USt an. Das ergibt brutto 3,6 % – bei 400.000 Euro also 14.400 Euro. Achtung: Bei Anlagewohnungen mit Vorsteuerabzug kann die USt der Maklergebühr als Vorsteuer geltend gemacht werden.
Zusammenfassung Kaufnebenkosten bei EUR 400.000
Grunderwerbsteuer (3,5 %): EUR 14.000 Grundbucheintragung (1,1 %): EUR 4.400 Notar/Vertrag (~2 %): EUR 8.000 Maklerprovision (3,6 % brutto): EUR 14.400 ---------------------------------------------- Nebenkosten gesamt: EUR 40.800 + 20 % Eigenkapital: EUR 80.000 = Benötigtes Eigenkapital total: EUR 120.800
Kann man eine Anlagewohnung ohne Eigenkapital kaufen?
Die kurze Antwort: Grundsätzlich nein. Die KIM-Verordnung (2022–2025) schrieb eine 20 %-Eigenkapitalquote verbindlich vor. Seit dem Auslaufen der KIM-VO am 30. Juni 2025 gibt es zwar keine gesetzliche Pflicht mehr, doch die Banken wenden diese Schwelle freiwillig als Marktstandard weiterhin an. Eine Vollfinanzierung ohne Eigenmittel bleibt für Privatpersonen in Österreich daher praktisch ausgeschlossen.
Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme: Wenn Sie bereits eine lastenfreie oder teilweise abbezahlte Immobilie besitzen, kann diese als zusätzliche Sicherheit dienen. Die Bank bewertet den Verkehrswert Ihrer bestehenden Immobilie und kann den beleihbaren Anteil als Eigenkapitalersatz anerkennen. In der Praxis bedeutet das:
- Ihre bestehende Wohnung ist EUR 300.000 wert und lastenfrei
- Die Bank kann bis zu 60–70 % davon als Sicherheit heranziehen
- Das ergibt EUR 180.000–210.000 an anrechenbarer Sicherheit
- Damit könnten Sie theoretisch eine Anlagewohnung ohne zusätzliches Bargeld finanzieren
Bedenken Sie aber: Sie haften dann mit beiden Immobilien. Das Risiko steigt erheblich. Zudem muss die 40 %-Schuldendienstquote weiterhin eingehalten werden – Ihr Einkommen muss also hoch genug sein, um beide Kreditraten zu bedienen.
Tipp – Sanierungsbedürftige Objekte: Bei sanierungsbedürftigen Immobilien können Sie oft deutlich mehr als den reinen Kaufpreis finanzieren. Der Grund: Banken bewerten hier nicht nur den Kaufpreis, sondern die gesamten Projektkosten – also Kaufpreis plus Sanierungskosten. Liegt der geschätzte Wert der Immobilie nach Sanierung laut Bankbewertung hoch genug, ist eine Finanzierung von über 100 % des Kaufpreises möglich. Die Differenz deckt dann die Sanierungskosten ab. Das reduziert den Eigenkapitalbedarf erheblich und macht sanierungsbedürftige Objekte zu einer besonders attraktiven Option für Anleger mit begrenztem Startkapital.
Strategien, um schneller Eigenkapital aufzubauen
Der Weg zur Anlagewohnung beginnt mit dem Eigenkapital. Hier sind bewährte Strategien, die Ihnen helfen, schneller ans Ziel zu kommen:
1. Automatisiertes Sparen mit fixer Quote
Richten Sie einen Dauerauftrag ein, der am Gehaltstag automatisch 20–30 % Ihres Nettoeinkommens auf ein separates Sparkonto überweist. Wer monatlich EUR 1.500 beiseitelegt, erreicht die EUR 120.000 für eine 400.000-Euro-Wohnung in knapp 7 Jahren.
2. Bausparer als Fundament
Der klassische Bausparvertrag in Österreich bietet eine staatliche Prämie und günstige Darlehenszinsen. Nutzen Sie die maximale Einzahlung von EUR 1.200 pro Jahr, um die volle Prämie zu erhalten. Vier Bausparer (bei Ehepaar mit je zwei Verträgen) bringen nach sechs Jahren ein solides Fundament.
3. ETF-Sparplan für höhere Rendite
Wenn Ihr Anlagehorizont mindestens 5–7 Jahre beträgt, kann ein breit diversifizierter ETF-Sparplan deutlich höhere Renditen als ein Sparbuch bieten. Historisch erzielte ein globaler Aktien-ETF 7–8 % p.a. – natürlich bei höherem Risiko.
4. Sonderzahlungen und Boni nutzen
In Österreich erhalten Arbeitnehmer in der Regel 14 Gehälter. Das 13. und 14. Gehalt (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) eignen sich perfekt, um sie vollständig dem Eigenkapital-Aufbau zu widmen.
5. Familiäre Unterstützung
Schenkungen von Eltern oder Großeltern sind in Österreich grundsätzlich steuerfrei (Meldepflicht ab EUR 50.000 innerhalb von 5 Jahren beachten). Besprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Familie, ob eine vorgezogene Erbschaft oder ein zinsloses Darlehen möglich wäre.
Rechenbeispiel: EUR 400.000 Anlagewohnung – Was man tatsächlich mitbringen muss
Machen wir das Ganze an einem konkreten Beispiel fest. Sie möchten eine Anlagewohnung in Wien um EUR 400.000 kaufen und vermieten.
Detailliertes Rechenbeispiel EUR 400.000
KAUFPREIS: EUR 400.000 EIGENKAPITAL (20 %): EUR 80.000 KAUFNEBENKOSTEN: Grunderwerbsteuer 3,5 %: EUR 14.000 Grundbucheintragung 1,1 %: EUR 4.400 Pfandrechtseintragung 1,2 % (auf Kredit EUR 320.000): EUR 3.840 Notar/Vertragserrichtung ~2 %: EUR 8.000 Maklerprovision 3 % + 20 % USt: EUR 14.400 Nebenkosten gesamt: EUR 44.640 GESAMT BENÖTIGTES EIGENKAPITAL: EUR 124.640 FINANZIERUNG: Kreditsumme: EUR 320.000 Zinssatz fix (20 Jahre): 3,50 % Laufzeit: 30 Jahre Monatliche Rate: EUR 1.437 MIETEINNAHMEN (geschätzt): Nettomiete/Monat: ca. EUR 1.100 - 1.300 Bruttomietrendite: ca. 3,3 - 3,9 % MONATLICHER CASHFLOW (vor Steuer): Mieteinnahme: EUR 1.200 - Kreditrate: EUR -1.437 - Instandhaltung/Verwaltung: EUR -150 = Monatlicher Zuschuss: EUR -387
Wie Sie sehen, ist die Anlagewohnung in den ersten Jahren ein Zuschussgeschäft. Das ist bei Anlagewohnungen in guten Lagen normal und gewollt – der monatliche Zuschuss ist steuerlich absetzbar (Werbungskosten), und die Wertentwicklung der Immobilie sowie die Tilgung des Kredits sorgen langfristig für Vermögensaufbau.
Eigenkapitalrendite vs. Mietrendite: Der Hebel-Effekt erklärt
Einer der größten Vorteile einer Immobilienanlage gegenüber anderen Investments ist der sogenannte Leverage-Effekt (Hebel-Effekt). Sie investieren nur einen Teil des Kaufpreises als Eigenkapital, profitieren aber von der Wertsteigerung der gesamten Immobilie.
So funktioniert der Hebel
Angenommen, Ihre 400.000-Euro-Wohnung steigt im Wert um 3 % pro Jahr. Nach 10 Jahren ist sie rund EUR 537.600 wert – ein Wertzuwachs von EUR 137.600. Sie haben aber nur EUR 124.640 Eigenkapital investiert. Ihre Eigenkapitalrendite allein durch die Wertsteigerung beträgt also rund 110 % – oder ca. 7,7 % pro Jahr.
Zum Vergleich: Hätten Sie die gesamten EUR 400.000 bar bezahlt (ohne Kredit), läge Ihre Rendite nur bei den 3 % Wertsteigerung. Der Kredit wirkt als Hebel und vervielfacht Ihre Eigenkapitalrendite.
Achtung: Der Hebel-Effekt wirkt in beide Richtungen. Bei fallenden Immobilienpreisen verlieren Sie überproportional Eigenkapital. Je höher der Fremdkapitalanteil, desto größer das Risiko. Eine solide Eigenkapitalquote schützt Sie vor diesem Szenario.
Gesamtrendite einer Anlagewohnung
Die Gesamtrendite einer Anlagewohnung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:
- Mietrendite: Die laufenden Mieteinnahmen abzüglich aller Kosten
- Wertsteigerung: Der Anstieg des Immobilienwertes über die Jahre
- Tilgungseffekt: Mit jeder Rate zahlen Sie einen Teil des Kredits zurück – dieses Geld bleibt als Vermögen erhalten
- Steuervorteile: AfA-Absetzung, Vorsteuerabzug und Absetzbarkeit von Werbungskosten
In der Kombination ergibt sich bei gut gewählten Anlagewohnungen in Österreich eine Gesamtrendite auf das eingesetzte Eigenkapital von 8–12 % pro Jahr – deutlich mehr als bei den meisten alternativen Anlageformen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Anlagewohnung um 400.000 Euro?
Für eine Anlagewohnung um 400.000 Euro benötigen Sie mindestens 20 % Eigenkapital (80.000 Euro) plus ca. 10 % Kaufnebenkosten (ca. 40.000 Euro). Insgesamt sollten Sie also rund 120.000 Euro Eigenmittel einplanen. Die 20 %-Quote war bis 30. Juni 2025 eine Mindestvorgabe der KIM-Verordnung und wird von den Banken seither als freiwilliger Marktstandard beibehalten – mehr Eigenkapital bringt bessere Kreditkonditionen und eine geringere monatliche Belastung.
Kann man eine Anlagewohnung ohne Eigenkapital kaufen?
Die KIM-Verordnung (2022–2025) schrieb eine 20 %-Eigenkapitalquote verbindlich vor. Seit dem Auslaufen am 30. Juni 2025 gibt es keine gesetzliche Pflicht mehr, doch die Banken wenden diese Schwelle freiwillig als Marktstandard weiter an. Eine Vollfinanzierung bleibt daher für Privatpersonen praktisch nicht möglich. Ausnahmen bestehen, wenn Sie eine bereits lastenfreie Immobilie als zusätzliche Sicherheit einbringen können. In diesem Fall ersetzt der Immobilienwert das Barkapital.
Was zählt alles als Eigenkapital bei einer Immobilienfinanzierung?
Als Eigenkapital gelten Bargeld, Sparguthaben, Wertpapiere, bereits abbezahlte Immobilien, Bausparverträge, Lebensversicherungen sowie Schenkungen oder Erbschaften. Auch Eigenleistungen am Bau können unter bestimmten Voraussetzungen angerechnet werden. Wichtig: Die Bank muss den Nachweis der Mittelherkunft prüfen – halten Sie entsprechende Unterlagen bereit.
Welche Kaufnebenkosten fallen bei einer Anlagewohnung in Österreich an?
Die Kaufnebenkosten betragen in Summe ca. 8–12 % des Kaufpreises. Im Detail: 3,5 % Grunderwerbsteuer, 1,1 % Grundbucheintragungsgebühr, 1–3 % Notar- und Vertragserrichtungskosten sowie 3 % Maklerprovision zzgl. 20 % USt (also 3,6 % brutto). Zusätzlich fallen 1,2 % Pfandrechtseintragungsgebühr auf die Kreditsumme an.
Finden Sie jetzt Ihre Anlagewohnung mit SearchPlace AI
SearchPlace AI durchsucht alle österreichischen Immobilienportale gleichzeitig und findet mit künstlicher Intelligenz genau die Anlagewohnungen, die zu Ihrem Budget und Ihren Renditevorstellungen passen. Probieren Sie es aus – einfach in natürlicher Sprache suchen:
„Anlagewohnung Wien bis 400.000 Euro mit guter Rendite“
„2-Zimmer-Wohnung Graz unter 200.000 Euro als Anlage“
„Vorsorgewohnung Neubau Linz mit Vermietungsgarantie“
Bereit für Ihre Anlagewohnung?
Finden Sie mit SearchPlace AI die perfekte Anlagewohnung in Österreich – KI-gestützt, alle Portale, ein Ergebnis.
Jetzt kostenlos suchen auf searchplace.ai